DSD-Seminar_Piran

23./24. November 2007

 

„Tipps zur Vorbereitung: Schriftliche Kommunikation (SK)“

 

Schüler haben offensichtlich kaum Erfahrungen mit diesem Aufgabentyp (SK); weder mit der Aufgabenstellung selbst (Erörterung) noch mit Formen der Textwiedergabe (Text/Grafik) oder der Argumentation (in Kombination mit Beispielen/Belegen).

 

Die folgenden Tipps resultieren aus der in Slowenien gemachten Erfahrung der Unterrichtsvorbereitung der letzten Jahre und beziehen sich u.a. auf die Vermeidung typischer/häufiger Fehler im Kontext einer Art „Prüfungsstrategie“. (Eingearbeitet wurden jetzt auch Aspekte der Diskussion während des Seminars in Piran; 23./24.11.07).

 

Die hier unterbreiteten Anmerkungen/Vorschläge beziehen sich zumeist auf die von mir in der Vorbereitung eingesetzte DSD-Aufgabenblätter (mit Text/Grafik):

-        „Ich und mein Handy“

-        „Geburtenrate sinkt“

-        „Waldsterben“

-        „Massentourismus und Umweltverträglichkeit“

-        „Mittendrin und doch weit draußen“ (Arm in einer reicher Welt)“ 

Kopien dieser Aufgabenblätter wurden beim Seminar in Piran mit dem Überblick über die Vorbereitung auf den Prüfungsteil „SK“ ausgeteilt.

 

Tipps:

 

1. Textaufbau schon durch Struktur der Stoffsammlung vorbereiten:

 

Vorbemerkung: Die Aufgabe („SK“) für die Schüler lautet nicht:

Beantworten Sie die folgenden 3 Fragen in ganzen Sätzen!; sondern:

Schreiben Sie einen zusammenhängenden Text zum Thema  xy, bearbeiten Sie in Ihrem Text die folgenden drei Punkte.....

Ein zusammenhängender Text zu einem Thema erfordert in der Regel: Titel, Einleitung, Hauptteil (darin erfolgt die Bearbeitung der drei Punkte) und einen Schluss.

Im DSD-Prüferhandbuch werden auf den Seiten 30 und 32 Begründungen für die Bewertung von Schülerarbeiten zitiert; darin heißt es in der Spalte „Textaufbau“ u.a.: „Klare Struktur, Einleitung und Schluss, Überleitungen vorhanden“ (S.32); die zitierten Schülerarbeiten (S. 29 u. 31) enthalten selbstverständlich auch einen Titel!

 

-        Tipps:

-        für den Textaufbau erhalten die Schüler 6 Wertungspunkte: Diese sollen möglichst erreichbar sein, da bei anderen Kriterien - etwa: „Korrektheit“ - kaum volle Punktzahl erreicht werden kann

 

-        Möglichkeiten für intensives Schreibtraining sind leider rar, deshalb: möglichst einfache Strukturierungsvorgaben als einprägsame Anleitung geben: „Baukastenprinzip“

-        Tipp: Die 6 Aspekte gemäß der im Seminar vorgestellten Vorlage (GH) berücksichtigen (Titel, Einleitung, Wiedergabe von Text/Grafik [1.], Diskussion [2.], Stellungnahme [3.], Schlussteil)

 

-        Titel: Zu einem Text gehört ein Titel wie zu einem Menschen ein Name, der die Identität „kennzeichnet“; wir sprechen nicht von dem Text: „Es war einmal ein kleines süßes Mädchen, das hatte jedermann lieb, der es nur ansah, am allerliebsten aber ihre Großmutter.....“, sondern wir sprechen von dem Text: „Rotkäppchen“. Schüler sollten den Titel für ihre Arbeit evtl. erst am Ende der Arbeitszeit einfügen, wenn sie genau wissen, was und worüber sie geschrieben haben;

-        Tipp: Der Titel aus Text/Grafik - z.B.: „Geburtenrate in Deutschland sinkt“ - liefert nicht unbedingt den Titel zur Textproduktion: DSD-Schüler schreiben die Arbeit (SK) vor dem Hintergrund ihrer persönlichen Situation, ihrer Kenntnisse, aus ihrer persönlichen Sicht, aus der ihres Landes.... Beispiel für einen möglichen Titel: „Geburtenrate in Deutschland und Slowenien sinkt.  Muss das so sein? Oder: Warum ist das so?“ Oder noch kürzer (wenn auch nicht gut): “Geburtenrate“

 

-        Einleitung: Der mögliche Titel - „Geburtenrate in Deutschland und Slowenien sinkt.  Muss das so sein? Oder: Warum ist das so?“ - könnte auch schon „die“ Einleitung sein. Prinzipiell könnte die Einleitung bestehen aus einer These, einer Frage, einer Provokation, einem historischen oder aktuellen Beispiel etc.; diese Einleitung kann/soll sehr knapp sein. Ein anderes Beispiel könnte sein: „Mein Vater (oder Opa?) hatte drei Geschwister (oder mehr?), meine Mutter (oder Oma oder Tante...) sogar vier; ich bin ein Einzelkind (oder: viele meiner Freunde sind Einzelkinder) . Ist das in Slowenien eigentlich typisch? Und wie sieht es in anderen Ländern aus?.....

 

 

2. Genaue Lektüre der Texte/Grafiken:

 

-        Das DSD bescheinigt Kenntnisse, die zur Aufnahme eines Hochschulstudiums erforderlich sind; zu einer „wissenschaftlichen“ Arbeit gehört der exakte Umgang mit Informationen/Quellen; dies ist am Beispiel der Text/Grafik-Beschreibung leicht und in kurzer Zeit einzuüben:

-        Vergleichszeitraum/Quelle beachten; wo stand der Text/die Grafik: In der Süddeutschen Zeitung? Von Montag bis Samstag? In den letzten 50 Jahren? Etc.

 

-        Voreilige, pauschale Beschreibungen vermeiden: Was genau wird dargestellt?

-        Dabei Vergleichsgrößen beachten: Stirbt der Wald? Oder „nur“ einzelne Baumarten? Die Geburtenrate sinkt: Weltweit? Oder in ausgewählten Industrieländern? Etc. Also: Was genau zeigen Text und Grafik?

 

-        Also: Beobachtung schärfen! Dadurch werden sie dann auch geschärft: Schüler monieren etwa das Alter der zitierten Daten (so etwa in dem Text zum Thema „Baumsterben“: „1999“!)

 

 

3. Inhalt/Kontextwissen:

 

-        Ist - sicher auch regional - sehr unterschiedlich ausgeprägt

 

-        Beispiel: Schüler sollen Ideen für eine Einleitung sammeln zum Thema: „Mittendrin und doch weit draußen“ (Arm in einer reicher Welt)“; die Aufgabe wurde mit Schülern am 20.11. 2007 bearbeitet; am 17.11.2007 hatte es in Ljubljana die größte Massendemonstration seit der Unabhängigkeit des Landes gegeben; unabhängig von der persönlichen Einstellung zu dieser Demonstration und ihrem politischen Hintergrund: Der Hinweis auf diese Veranstaltung stellt eine geradezu „dramatisch“ gute Einleitung zur gestellten Aufgabe dar. Viele Schüler kamen aber nicht nur nicht auf diese Idee, ihnen war auch das Ereignis als solches nicht bekannt; Tipp: Lektüre deutschsprachiger Nachrichten aus Slowenien aus dem Internet; oder: Nachrichten in deutscher Sprache auf RADIO SI...

 

-        Erarbeitung von Begriffsbedeutungen (ohne deren Kenntnis), z.B.: „Prekariat“: Zu welchem Kontext gehört das Wort? Soziologie! Welche bekannten Begriffe lauten ähnlich? Proletariat! Was also könnte gemeint sein? (Dies nicht, damit die Schüler den Begriff schriftlich  - „mit eigenen Worten“ – umschreiben, sondern dass ihnen die Angst genommen wird, mit unbekanntem Vokabular umzugehen.)

 

-        Tipp: Bezug des Themas der DSD-Aufgabe auf die persönliche Situation, das eigene Land; z.B.: Thema „Lebenshaltungskosten: Einfache und bekannte Vergleichszahlen suchen: Was kostet ein 1 L Benzin hier und dort? 1 Tasse Kaffee? 1 Bier? 1 Tafel Schokolade? Etc...

 

-        Zusammenfassung: Einübung mit aktuellem und authentischem Material: Einfachster Zugang: Deutsche Welle (Internet – Anmeldung zum wöchentlichen Erhalt der Newsletter wurde vorgestellt; GH) und die oben genannten Quellen für Slowenien.

 

 

4. Argumentationen:

 

-        Oft werden  pauschale Urteile formuliert; deren Konsequenzen an Beispielen erläutern: „Die Slowenen trinken Union!“ oder: „Slowenen trinken Union“ ; Tipp also: Den bestimmten Artikel vermeiden; einschränkendes Vokabular einsetzen (manche; einige; es gibt Menschen, die....)

-        Verwechslung von Thesen und Argumenten; oft fehlen Belege: „Massentourismus schadet der Umwelt!“ Aber warum? – Beispiele/Belege sammeln, sortieren, strukturieren (etwa: pro – contra), formulieren/ausführen!

-        Einübung auch im Kontext der Fertigung eines Thesenpapiers für die mündliche Prüfung möglich (Kopien wurden beim Seminar verteilt; GH)

 

 

5. Redemittel:

-        Insbesondere auch solche der Textwiedergabe vermitteln (Titel, Quelle, Zeit etc.): „Der Text handelt sich um....(?)

-        Argumentieren

-        Diskutieren

-        Zusammenfassen

-        etc.

 

Beispiel-Sammlungen („Redemittel“) wurden beim Seminar ausgehändigt; es empfiehlt sich, eine knappe Auswahl zu treffen und diese mit den Schülern einzuüben!

 

 

 

6. Sprach-/Schreibtraining:

 

-        Schüler haben bei der Prüfung nur 120 Minuten Zeit: Nicht alle offenen Fragen (zu: Grammatik/Orthografie) sind mit dem Wörterbuch zu beantworten. Prüfungsstrategische Tipps geben:

-        Die Erläuterungen den Schülern nicht ausschließlich mittels Fachtermini geben (wir bilden ja keine Germanisten aus); eingängige Beispiele formulieren, auch hier Umschreibungen finden; sehr hilfreich etwa wäre:

-        „Kleiner Sprachführer Sleutsch“ – Sammlung häufiger/typischer Fehler slowenischer Muttersprachler und einer Erläuterung von Konsequenzen anlegen, „...denn ich planiere meine Zukunft!“ (So muss sich dann niemand mehr Mühe mit Plänen für die Zukunft machen – , es gibt ja keine mehr!)

-        Beispiel: In vielen Texte fehlt oft eine Definition von Pronomen, was zu – teils delikaten – Missverständnissen führt; Beschreibung als „S-M-Grammatik“: „Der Vater schlägt seinen Sohn. Er findet das gut!“ Wer? Der Vater? (Sadist?) Der Sohn? (Masochist?) Bedenklich ist es selbstverständlich auch bei Mutter und Tochter, wenn „sie“ das dann „gut“ findet; usw. Eine solche Art der Fehlerbeschreibung bleibt bei Schülern eher „haften“, hat wahrscheinlich nachhaltigere Wirkung als die Arbeit mit linguistischen Fachtermini.

-        Groß-/Kleinschreibung: unabhängig von Kenntnis des richtigen Artikels möglich! Es ist nun einmal ein Kreuz mit den Artikeln in der deutschen Sprache; aber: „Es ist vollkommen egal, wie der richtige Artikel lautet: Da man weiß, dass ein Artikel zu dem Wort gehört, wird der Anfangsbuchstabe groß geschrieben!“

-        Unterscheidung: dass – das

-        Literatur-Tipp für Fortgeschrittene (oder Fans) und auch mit Gewinn und Spaß im Unterricht einsetzbar: Bastian Sick: „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“; oder die „Zwiebelfisch-Kolumnen“ auf: www.spiegel.de

-        Oder etwas älter, aber dennoch sehr anregend: Eike Christian Hirsch: „Deutsch für Besserwisser“

-        ...

 

 

Motto der Veranstaltung:

Deutsch - in Slowenien - ist nicht nur in beruflicher Hinsicht von Vorteil, schafft nicht nur Zugang zu Wissenschaft und Technik, erschließt und dokumentiert nicht nur kulturelle Zeugnisse; Deutsch kann auch „tierisch“ Spaß machen: Sogar mit alten Hasen, Hühnern und  Geparden....

 

 

Gerald Hühner, Ptuj, 26. November 2007 (huehnersi@web.de)